FAQ - Häufig gestellte Fragen:

Geburtsverletzungen machen junge Frauen zu Ausgestoßenen

Allein in Äthiopien (ca. 100 Mio. Einwohner) erleiden jedes Jahr über 9.000 Frauen und Mädchen Geburtsverletzungen. Die meisten Frauen in Äthiopien gebären ohne jegliche medizinische Hilfe, auch im Notfall ist keinerlei fachkundige Versorgung möglich. Ist bei einer Geburt der Fötus zu groß für den Geburtskanal, so presst der kindliche Kopf in tagelangen Wehen mit großer Kraft und drückt das umliegende mütterliche Gewebe gegen die Knochen. Die Blutversorgung wird unterbrochen, das Gewebe stirbt ab. Die Blutversorgung in das umgebende mütterliche Gewebe wird unterbrochen, dieses stirbt ab. Nach Tagen kommt es in den meisten Fällen zu einer Totgeburt. 30-40% der Mütter sterben während einer solchen Geburt, überlebt aber die Mutter, bleibt sie schwer verletzt. Das geschädigte Gewebe kann nicht vom Körper wiederhergestellt werden, es entsteht eine bleibende Öffnung zwischen Blase und Scheide, manchmal aber auch zum Enddarm. Die betroffenen Frauen leiden für den Rest ihres Lebens an schwerster Inkontinenz.

Die Häufung von Geburtsfisteln ist auch bedingt durch das kleine Becken der mangelernährten, kleinen, meist jugendlichen Mutter.

In Europa schon vergessen – in Entwicklungsländern immer noch sehr häufig

Das Auftreten von Geburtsverletzungen bei Frauen in Entwicklungsländern ist durch mehrere Faktoren gekennzeichnet: fehlende medizinische Versorgung während der Geburt, mangelndes Wissen, (zu) frühe Schwangerschaft (Kinderhochzeit), Armut. In ländlichen Gegenden ist eine medizinische Versorgung kaum vorhanden – es gibt weder Ärzte, Hebammen oder Krankenschwestern, noch Krankenstationen. Nur in Städten gibt es Krankenhäuser, die aber meist nur mit dem allernötigsten ausgestattet sind.

In Äthiopien gibt es nur 1 Hebamme pro 60.000 Einwohner, und nur 1 Arzt für 38.000 Einwohner - statistisch gesehen. In der Realität leben die meisten Ärzte und Hebammen in der Stadt. In den Dörfern gibt es keinerlei medizinische Versorgung.

In ländlichen Regionen können nur sehr wenige Menschen lesen und schreiben, Schulen gibt es kaum. Die Mädchen müssen schon in frühester Kindheit bei der Betreuung der Geschwister, Hausarbeit und in der Landwirtschaft mithelfen. Die Leute wissen in der Regel nicht, was in ihrem Körper vorgeht und haben auch keinerlei hygienisches Basiswissen. Wie überall auf dem Lande sind auch hier die Menschen sehr in ihren Traditionen verankert. Die Gesellschaft ist patriarchalisch ausgerichtet.

Besonders in Nordäthiopien ist es Tradition, Mädchen schon sehr früh zu verheiraten. Oft werden diese bald nach Beginn der Menstruation schwanger. Sie wissen nicht, was während der Schwangerschaft in ihrem Körper vorgeht. Es stehen ihnen nur die Schwiegermutter und einige Dorffrauen bei. Bei Komplikationen während der Geburt sind sie völlig auf sich allein gestellt.

Müttersterblichkeit kommt dort deshalb mehr als tausendmal so häufig vor als bei uns. Selbst wenn diese Frauen solch dramatische Geburten überleben, tragen sie Verletzungen davon, die sie für den Rest ihres Lebens zeichnen.

Frauen, die an Blasen-Scheiden-Fisteln leiden, werden häufig vom Ehemann verstoßen. Aber auch, wenn sie zu ihren Eltern zurückkehren können, ist ihr Leben sehr beeinträchtigt. Der Gestank und die hygienischen Probleme machen das Zusammenleben mit anderen schwer. Wasser muss von weit hergeholt werden und Seife ist teuer. Hygienische Binden sind völlig unbekannt und gibt es nicht.

Viele leben isoliert in einer Hütte am Rande des elterlichen Anwesens, wo sie ein menschenunwürdiges Dasein fristen. In vielen afrikanischen Kulturen wird eine solche Erkrankung als selbstverschuldet angesehen – so kommt zum Schmerz und der Trauer auch noch der Verlust von Selbstachtung hinzu.

Das Leben einer äthiopischen Frau unterscheidet sich sehr von deutschen Frauen. Ihre Lebenserwartung beträgt 66 Jahre. In der Regel heiratet sie mit etwa 17 Jahren und bringt vier bis fünf Kinder zur Welt. Nur jede dritte Frau auf dem Land kann lesen, der Anteil der Bevölkerung, der mit weniger als 2 US $ pro Tag leben muss, liegt bei 78 %.

Auch sind sehr schmerzhafte traditionelle Praktiken verbreitet wie z. B. die Genitalverstümmelung von Mädchen. Die Rate liegt bei etwa 70 %. Frauen bringen ihre Kinder zu Hause zur Welt, ohne jegliche medizinische Hilfe. Schwangerschaft und Geburt stellen für Frauen ein riskantes Unterfangen dar. Die Müttersterblichkeit in Äthiopien zählt mit zu den höchsten.

Weltweit leiden derzeit etwa zwei Millionen Frauen an Blasen-Scheiden-Fisteln. Viele der betroffenen Frauen und Mädchen leben versteckt und sind sich selbst überlassen. Solange es keinen Zugang zu professioneller Geburtshilfe gibt, wird das Problem bestehen bleiben. Betroffen ist vornehmlich Afrika südlich der Sahara, außerdem kommen Geburtsfisteln in arabischen Ländern, Indien und Südostasien vor.

Unter einer Blasen-Scheiden-Fistel versteht man eine artifizielle Verbindung zwischen dem Geburtskanal und anderen inneren Organen. Bei lange andauernden Wehen, drückt der Kopf des Fötus' gegen die Knochen und unterbricht so die Blutzirkulation des mütterlichen Gewebes. Dieses Gewebe stirbt ab und es entsteht eine Öffnung zwischen den beteiligten Organen. Das ist eine Fistel.

Die häufigste Form ist die vesicovaginale Fistel, auch VVF. Es kann sich aber auch eine Fistel zum Enddarm (Rektum) bilden, rectovaginale Fistel oder RVF. Durch die entstandenen Öffnungen kann Urin und/oder Stuhlgang nicht mehr kontrolliert werden: die Betroffenen leiden unter schwerster Inkontinenz.

Die Betroffenen leiden unter schwerster Inkontinenz

Die meisten geburtsbedingten Fisteln kann man durch eine relativ einfache Operation heilen. Im Fistula-Hospital in Addis Abeba liegt die Erfolgsquote bei über 90 %. In den letzten Jahren haben die Fistula Ärzte gelernt Harnableitungen zu machen und konnten so auch schwierigeren Fällen wieder neue Hoffnung geben.

Die Patientinnen im Addis Abeba Fistula-Hospital werden kostenlos behandelt. Das Krankenhaus rechnet mit durchschnittlich ca. 450 Euro pro Patientin. Darin sind die Operationskosten, der Krankenhausaufenthalt, ein neues Kleid sowie die Busfahrkarte für die Heimfahrt enthalten.

Mit Recht kämpfen viele Organisationen gegen weibliche Genitalverstümmelungen. Diese sind jedoch nicht der Verursacher von Geburtsfisteln. Viele Patientinnen im Fistula-Hospital in Addis Abeba wurden Opfer dieser schrecklichen traditionellen Praktiken. Ihre Fisteln entstanden aber fast ausschließlich durch tagelang andauernde Wehen, die durch ein zu enges Becken oder falsche Kindslage verursacht wurden.

Durch weibliche Genitalverstümmelung selbst entstehen keine Fisteln.

Fisteln als Geburtskomplikationen treten überall dort auf, wo im Notfall keine Kaiserschnitt-Entbindung durchgeführt werden kann.

Auch in Europa und Amerika waren Fisteln früher häufig.

Mit Einführung des Kaiserschnittes jedoch, sind Fisteln "ausgestorben". In Entwicklungsländern mit mangelnder medizinischer Versorgung sind Fisteln noch heute ein großes Problem. Leider ist dies bei uns fast unbekannt, da die Frauen in Afrika und Asien keine Lobby haben.

Die genaue Zahl der Frauen, die an Geburtsfisteln leiden, ist sehr schwer zu ermitteln. Das kommt daher, dass die Frauen oft in entlegenen Gebieten leben, wo es keine Krankheitsstatistiken gibt. Allgemein schätzt man, dass weltweit jedes Jahr 50.000 bis 100.000 Frauen Geburtsfisteln erleiden.

In Äthiopien rechnet man mit etwa 9.000 neuen Fällen jährlich. Weltweit sind etwa zwei Millionen Frauen betroffen, von denen jedoch nur wenige behandelt werden können.

Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern

Frauen, die mit Hilfe eines Arztes oder einer erfahrenen Hebamme gebären, werden keine Fisteln bekommen. Das Addis Abeba Fistula-Hospital hat fünf Außenzentren in äthiopischen Provinzen aufgebaut. Dort werden qualifizierte Geburtshilfe und Fistel-Operationen ermöglicht. Seit 2007 gibt es eine Hebammenschule, in der jährlich 20-25 Hebammen ausgebildet werden. (Zur Hebammenschule) Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Prävention. Denn Fisteln sind vermeidbar. Unsere Zukunftsvision ist es, allen Frauen zu ermöglichen, ihr Kind mit optimaler Hilfe zur Welt zu bringen.

Faktoren die zur Müttersterblichkeit führen

Mit Ihrer steuerabzugsfähigen Spende an den Fistula e. V. unterstützen Sie direkt das Addis Abeba Fistula-Hospital. Durch Ihre einmalige oder regelmäßige finanzielle Unterstützung ermöglichen Sie es, den Frauen in Äthiopien ihre Gesundheit und ihre Würde zurückzugeben.

Mit Ihrer Spende an Fistula e.V. unterstützen Sie z.B. die Ausbildung der Hebammen. Sie tragen damit dazu bei, dass das Problem der Geburtsfisteln mittelfristig auch in Äthiopien der Vergangenheit angehört.

Sachspenden sind immer gut gemeint, stellen Fistula e.V. jedoch häufig vor unlösbare logistische Probleme. Die äthiopischen Behörden haben sehr strenge Zollbestimmungen, deshalb können im Allgemeinen keine gebrauchten Instrumente oder Geräte verschickt werden. Das Fistula Hospital spezifiziert regelmäßig seinen Bedarf an medizinischen Verbrauchsmaterialien, die in Äthiopien nicht erhältlich sind, jedoch dringend benötigt werden. Diese kauft Fistula e.V. in Europa in größeren Mengen und meist mit guten Rabatten ein und sendet sie nach Äthiopien.

Mit Geldspenden für diesen Zweck kommt Ihre Hilfe wirklich an!

Informieren Sie Ihre Patienten in Klinik und Praxis. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Freunden über das Fistelproblem in Entwicklungsländern. Je präsenter das Thema bei uns ist, desto eher wird sich dort etwas ändern. Informationsmaterial können Sie kostenlos direkt in unserem FISTULA SHOP bestellen.

Fistula e.V. sucht engagierte Mediziner, die bereit sind, wissenschaftliche Vorträge im Kollegenkreis, vor Hebammen oder auch vor Laien zu halten. Der Verein freut sich über neue, aktive Mitglieder. Fistelpatientinnen brauchen auch Fürsprecher in entwickelten Ländern - nur mit unserer Unterstützung wird sich die Gesundheitsvorsorge in den Entwicklungsländern nachhaltig ändern. Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an: Frau Dr. Teltschik teltschik@fistula.de

Das Addis Abeba Fistula Hospital bietet begrenzte Hospitationen vornehmlich für Ärzte aus Entwicklungsländern an. Ein Arbeitsbesuch kann für deutsche Ärzte und für das Fistula Hospital eher belastend als sinnvoll sein. Fistula e.V. empfiehlt dies daher in der Regel nicht. Allerdings gibt es von einem ehemaligen, langjährigen Mitarbeiter des Fistula-Hospitals, Dr. Andrew Browing, ein Projekt, das geburtshilfliche Kliniken in ländlichen Regionen Äthiopiens aufbaut. Hierfür werden zur Projektarbeit englischsprachige Hebammen, GynäkologInnen und GeburtshelferInnen gesucht, die sich für einen mindestens drei Monatigen Arbeitseinsatz verpflichten. Diese präventive Maßnahme unterstützen wir gerne. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Barbara May Foundation: www.maternityafrica.org

Mit Ihrer Spende an Fistula e.V. unterstützen Sie direkt die Ausbildung der Hebammen. Sie tragen damit dazu bei, dass das Problem der Geburtsfisteln mittelfristig auch in Äthiopien der Vergangenheit angehört.